Ich Maschine CoverIch-Maschine
(LP/CD, What´s so funny about.../Indigo, 1992)

 1) Ghettowelt
 2) Von der Unmöglichkeit "Nein" zu sagen, ohne sich umzubringen
 3) Viel zu früh und immer wieder Liebeslieder
 4) Dosis
 5) Zeittotschläger
 6) Laß uns nicht von Sex reden
 7) Aus den Kriegstagebüchern
 8) Sex.Bomben
 9) Pickelface is back in town
10) Nichtschwimmer / nachGeburt
11) Penismonolog
12) Ich-Maschine


Ghettowelt
(Musik und Text - Distelmeyer / Bearbeitung - Bohlken, Rattay)

Ein Lied mehr, das Dich festhält 
und nicht dahin läßt, wo Du hinwillst 
weg von hier 
das wiegt schwer, wie mein neues T-Shirt, 
auf dem was draufsteht 
baut eine Mauer um mich herum 
baut eine Mauer

Ein falscher Freund mehr, der nicht locker läßt 
bis Du einer von ihnen bist 
und wieder nur alles geordnet ist 
und wieder nur alles geordnet ist

Ein Sohn mehr, den zu lieben leichtfällt 
was mehr als nur zurückhält, 
sondern auch glücklich macht, 
wenn er über Witze lacht, 
sich seine eigenen Gedanken macht 
und sagt: 
"Du lügst oder hast nicht nachgedacht. 
Ich kenn die Regeln nicht!" 
Dann bist Du selbst kein Kind mehr 
und keine Frau bloß Mutter

Eine Telefonnummer mehr 
Du weißt Du brauchst sie sehr 
irgendwen ganz nah bei Dir und Du sagst:
"Wenn Du leben willst, komm mit mir!"
aber eigentlich nur zu Dir

Ein Lied mehr ist eine Tür 
ich frag mich bloß wofür
denn das, was dahinter liegt, 
scheint keinen Deut besser als das hier

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Von der Unmöglichkeit, "Nein" zu sagen, ohne sich umzubringen
(Musik und Text - Distelmeyer / Bearbeitung - Bohlken, Rattay)

Montagmorgen erwachte ich als Mißgeburt 
halt´ mich trotzdem fest
Ich will morden 
den Apparat, der Dich und mich bloß Apparat sein läßt
Sind zwei zuviel um frei zu sein? 
Oder brauch´ ich Dich, um ich zu sein?

Von der Unmöglichkeit, "Nein" zu sagen, ohne sich umzubringen
Von der Unmöglichkeit, "Nein" zu sagen, ohne Dich umzubringen
[ohne Dich umzubringen]

Ich krieg kein Frieden
darum Krieg! Kein Frieden.
Jetzt wo ich Mißgeburt bin, bekämen Deine Arme Sinn, 
aber Du hältst sie mir nicht hin
ich sehe mich neben Dir, meine Tentakel seh´ ich auch
ich hab´ keine Knochen mehr, 
dafür Tinte für zwanzig Bücher im Bauch

Von der Unmöglichkeit, "Nein" zu sagen, ohne sich umzubringen
Von der Unmöglichkeit, "Nein" zu sagen, ohne Dich umzubringen

Wenig später wird ein Körper eine Narbe aus Beton sein
wenig später wird jeder Nerv in Napalm gelegt und verbrannt sein
Stirb oder sei wie wir

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Viel zu früh und immer wieder; Liebeslieder
(Musik - Bohlken, Rattay / Text & Bearbeitung - Distelmeyer)

Darauf mein Wort 
denn es ist mehr als bloß ein Klang, 
den irgendein Depp sonst sang wie ein Geräusch, 
das nur sich selbst nennt. 
Und ich wär lieber bei Dir 
langsam fang ich an mich zu vergessen 
und Mathias Reim weiß wer ich bin 
Dein Kissen umarmt Dich und ich schau Dir zu 
was Du im Traum wohl erlebst, 
und ob du über oder unter der grünen Wolke schwebst?

Viel zu früh und immer wieder; Liebeslieder

Nur so kann ich Dich berühr´n 
schreib über Dein Haar 
laß Sturm und Nacht sich nur gegen Dich verschwör´n 
ich bin da 
wieder mal zu lange, weil jetzt wachst Du auf 
vertreibst Deinen Schlaf aus den Augen 
Wie Dich wonach fragen, wenn ich nicht mal weiß,
wie Herzschlag im Magen in Wirklichkeit heißt? 
Und wenn ich´s wüßte, könntest Du immer noch sagen, 
daß Dir das total nicht paßt

Viel zu früh und immer wieder; Liebeslieder

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Dosis
(Musik und Text - Distelmeyer / Bearbeitung - Bohlken, Rattay)

Gebt [Gib] mir meine Dosis
von dem, was mir zusteht 
den Rest
ich hab schon bezahlt 
für meine Dosis
gebt [gib] sie mir jetzt

Meine Endomorphinproduktion hat alles verlernt 
da hilft auch kein Erinnern mehr
solang ich denken kann 
war alles, was ich bekam, 
meine Dosis 
zu müde, um wütend zu werden 
genug Erfahrung, um nicht lebensmüde zu sein
Schalt doch mal einer die Rhythmusmaschine ein! 
Groove is in ´se Mussikkboks 
fällt mir dabei ein
Zusatz: 
Wer will nochmal, wer hat noch nicht? 
Blöder Dealer, halt Dein Maul, wenn der Truthahn spricht 
Jetzt ich: 
Wir trugen unser Geld in die Trinkerheilanstalt 
die einzige Art zu leben 
Mach doch mal einer den Kulturkack aus! 
Ach geht ja nicht, laß bloß an, bin ja selber drin

Also gebt [gib] mir meine Dosis
von dem was mir zusteht
den Rest
ich hab schon bezahlt
für meine Dosis
gebt [gib] sie mir jetzt

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Zeittotschläger
(Musik und Text - Distelmeyer / Bearbeitung - Bohlken, Rattay)

Zeittotschläger auf ihren Wegen 
heute nacht gehöre ich zu ihnen
Zeittotschläger, für fünf Mark Freiheit 
und für dreißig Mark Bier 
wegen ihm oder ihr

Falsche Richtung! 
Falsche Richtung? 
Dummheit laß mich los
Dummheit laß los!

Zeittotschläger laufen um ihr Leben 
bevor die Schulbank sie kriegt 
und ihnen alles wegnimmt 
Zeittotschläger laufen um ihr Leben
irgendwann hält Gott seine Arme auf 
bis hierhin und nicht weiter 
Wissen tut weh, Gott nicht 
und ´33 war Adolf Hitler Gottes Sohn

Falsche Richtung! 
Falsche Richtung! 
Dummheit laß mich los
Dummheit laß los!

Ich will, daß Liebe wahr wird, 
ich will, daß Liebe wahr wird
Ich weiß, daß Liebe wahr werden kann 
Ich weiß, daß Liebe wahr werden kann

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Laß uns nicht von Sex reden
(Musik und Text - Distelmeyer / Bearbeitung - Bohlken, Rattay)

Laß uns nicht von Sex reden 
ich weiß gar nicht, wie das gehen soll: 
sich vereinigen
Kann ich mehr als berühren und fühlen? 
Ich will kein Versprechen geben
beim Frühstück würd ich es brechen ohne zu wollen:
wie möchtest Du Dein Ei, 
auf oder unter´m Tisch

Laß uns nicht von Sex reden 
Dein Blut auf dem Laken 
macht nichts
ist fest und fremd 
aber wie war das, als Deine Brüste größer wurden?
und wie ist das jetzt, schwanger?

Laß uns nicht von Sex reden 
brauchst Du mich! 
Du brauchst mich?!
ich beherrsche Dich 
Wolltest Du früher ein Junge sein? 
Jetzt gehörst Du zum "schwachen Geschlecht" 
ich war im Fußballverein und pisse im Steh´n

Laß uns nicht von Sex reden 
auf dem Küchentisch 
ein Gedicht von Patti Smith:
female, feel male 
sie schreibt: heftig ... schwach ... schwelgerisch
Im Sommerrock sich legen lassen 
von einem schmalhüftigen Jungen hinter der Kegelbahn
bluten ... den Höhepunkt erreichen ... den Bauch gefüllt bekommen

Laß uns nicht von Sex reden
Du siehst ja, ich weiß gar nicht wie das geht
Ich liebe Dich ... am liebsten nackt
aber wie soll ich Dir nah sein, 
wenn ich nicht weit genug von mir selbst entfernt sein kann 
schließlich war ich im Fußballverein; Kick´n´Rush
Wann hört Macht auf? 
Hier fängt Macht an!

Laß uns nicht von Sex reden

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Aus Den Kriegstagebüchern
(Musik und Text - Distelmeyer / Bearbeitung - Bohlken, Rattay)

Dieser Zustand ist nicht tanzbar 
ich schlage Wurzeln und das nicht aus Verlegenheit 
sondern aus Angst davor ,
daß es, weil es immer so war, [auch] so bleibt 
und Dich und mich irgendwann wegpustet, 
weil die Welt pulsiert nicht, 
sondern schlägt nur 
eine einzige einsame Furche in sich 
ich hör´ nicht hin, weil ich nicht länger kann 
und denk´ an Dich und daran,
daß auch alles gesagt und nach allem gefragt worden ist. 
Oder nich´ ?

in einer Zyankalilaune sitz ich dann vor´m Telefon 
und staune, daß niemand anruft um mich zu retten 
und wenn wer spricht, möcht´ ich wetten,
daß alles, alles bloß Selbstgespräch ist 
Was ist anders wenn Du bei  mir bist ? 
Etwas ist anders wenn Du bei mir bist ! 
Was ist anders wenn Du bei mir bist ?

Mein Selbstbetrugsdezernat bleibt beständig am Bohr´n 
diesmal in jemand anders Ohren, 
mit der ich gerne geredet hätte
ich denk an die Wette und frage: 
"Wovor hast Du Angst ? 
Dich interessiert doch nicht was Du erlebst, 
nur das was Du davon erzählen kannst!" 
Selbstbetrugsdezernat nach wie vor am Bohr´n 
ich denk an die Wette und hab´ doppelt verlor´n

"Aussichtslose Lage" sagen Dezernatsdetektive 
wegen immer noch sozialer Frage und Zentralperspektive, 
die mich fallen läßt
im Kriegsgebiet in Liebe

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Sex.Bomben
(Musik und Text - Distelmeyer / Bearbeitung - Bohlken, Rattay)

Im Schlaf nebenan passieren Dinge, 
die ich nicht verstehen kann 
Warum tust Du das? 
Warum tust Du das dann, 
wenn Du weißt, daß ich Dir das, was Du brauchst, 
nicht geben will und geben kann?

Dieser Brief, 
der jetzt wie von mir vergessen 
bei den anderen liegt, 
den ich las (mit Schuld und Angst im Kopf),
explodierte.

Was bleibt ist eine Kraterlandschaft, 
sind Mördergruben und Verwandtschaft, 
die sich nicht kennt und das nicht weiß, 
die Tonnen wiegt 
für den, der unten liegt.

Dieser Brief, 
der jetzt wie von mir vergessen 
bei den anderen liegt,
den ich las (mit Schuld und Angst im Kopf),
explodierte.

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Pickelface is back in town
(Musik - Bohlken, Rattay / Text & Bearbeitung - Distelmeyer)

Mit selbstgemachter Haut, 
die Dir selber nicht gefällt, durch die Stadt 
die kaum ehrliche dafür mehrere Vor-Häute hat 
auf die Party zu den Leuten, 
die Dir nichts bedeuten und trotzdem weh tun 
mit dem was sie sagen 
Du kannst nicht mal mehr fragen "warum?" 
weil Du die Antwort weißt, 
die Dich in Stücke reißt
Wieso gerade Du so aussiehst wie Du heißt 
weiß ich allerdings auch nicht

Was als Selbstverteidigung wegen Weltallergie
(der Schleim, den Du ausspuckst wollte Dich nie)
begann, kam irgendwann 
beim Manöverübungsgelände an 
und der Krieg findet statt, 
aber wer ist der Feind? 
die andern oder Du, 
das ist es was Dich in zwei Hälften teilt 
die [der] eine schreit "Rache!" die [der] andere "Scheiße, 
daß gerade ich so aussehen muß wie ich heiße!"

Mit selbstgemachter Haut, 
die Dir immer noch nicht gefällt, raus aus der Stadt, 
die auch ein Gesicht -eines aus Häusern- hat 
ein Nachname für jedes und Dich:
Architektur 
bei Dir jede Narbe ein Schützengraben 
ist hier aus Beton pur 
und der Krieg findet statt 
und das ist der Feind 
die andern und Du, 
das ist es, was dich in zwei Teile [Hälften] teilt 
der eine schreit "Hilfe", der andere "Scheiße, 
daß gerade der so aussehen muß, wie ich heiße."

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nichtSchwimmer / nachGeburt
(Musik - Bohlken, Rattay / Text & Bearbeitung - Distelmeyer)

Ich nehm´ ein Bad im Badezimmer bei Dir 
bei Nebel mein Gesicht im Spiegel 
wie immer so schön wie sonst nie 
dunkel bleibt zwar dunkel 
und grell ist grell wie bisher 
nur die Konturen sind weniger hart 
und die Grenzen verschwimmen 
zwei Meter Gutes mehr,
wenn man ein Auge zudrückt vier 
So mal´ ich Dir ein Bild auf zwölf mal sieben Meter 
mein Herz schlägt weil nichts feststeht 
und wenn er steht dann steht da: 
"ich will nicht einsam, ich will gemeinsam da sein 
mich an Dir bewegen, mit Dir dahin wo's laut ist und am Leben"
Dann mal´ ich mir im Kopf herum 
die Bilder werden Riesen 
mein Zimmer immer enger 
das Wasser kalt und ich muß niesen 
direkt in Dein Gesicht, ein Zufall ist das nicht 
auch wenn Dir Kopf und Herz zerbricht 
und mein Mund nicht weiß, warum er spricht 
wenn er Berührung will
Später, abgetrocknet, ergibt sich Symmetrie 
zu lange auf Krücken im Zoo 
Beine? Wollt´ ich nie! 
Jeder Versuch wie dieser Pinselstrich 
bloß hoffnungslose Regung 
ausladende arme war´n ein klare Bewegung ... gegen Boden 
weil Beine hab ich keine 
nur [bloß] zwei zermatschte Hoden

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Penismonolog
(Musik und Text - Distelmeyer / Bearbeitung - Bohlken, Rattay)

In dem Bett, aus dem ich herkam,
liegt es sich immer noch unbequem und einsam 
bis jemand wie Du den Raum betritt 
sich seinen Weg bahnt 
durch den Gummipuppenfriedhof und mich anklagt 
als Lügner gefiel ich Dir besser
Danke, wo bleibt das Messer 
denn leider lebenslänglich mein Platz 
neben Björn-Delf Hein und Mathias Rust 
knietief in Saft doch Gitterstäbe starren auf 
Opfer in Haft, die glauben, hoffen zu dürfen auf uns

Auf daß die andern aufhör´n mit sich selbst zu reden
Auf daß die andern aufhör´n mit sich selbst zu reden

Wozu ein zum Weghör´n Hingebrülltes? 
Du bist so weit weg gewesen 
und von den Lippen abzulesen lernt man eh nur, wenn man taub ist 
aber wo Du schon mal da bist, leg´ Dich zu mir 
weicher Atem am Ohr 
das hat Tradition und kommt genauso oft vor 
wie zu früh und Schamesröte später

Auf daß die andern aufhör´n mit sich selbst zu reden
Auf daß die andern aufhör´n mit sich selbst zu reden

In dem Bett, aus dem ich herkam, 
liegt es sich immer noch unbequem und einsam 
ich hab nichts gegen Menschen als solche 
meine besten Freunde sind welche 
aber leider lebenslänglich mein Platz 
an der Seite derer, die randvoll Beischlaf morden 
als Lügner gefiel ich Dir besser 
gefiel ich Dir besser?

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Ich-Maschine
(Musik und Text - Distelmeyer / Bearbeitung - Bohlken, Rattay)

Zurück zum Haus 
zwischen den Gleisen und dem Garten, 
in dem die Apfelbäume warten, auf die ich kletterte 
mich vor Erdanziehung rettete bis jemand rief 
und ich dann in die Küche lief auf meinen Platz, 
den ich verließ wie einen Glauben 
wie die Klassenzimmer, Sportplätze, Partykeller 
Sicherheitszonen geschaffen von Eltern 
und Menschen, die in Luftschutzbunkern wohnen, 
in denen Du sonst nichts vermißt außer Dir selbst 
und sobald du Dich fragst, wer das ist 
und ob Du Dir so wie Du bist gefällst 
wird das der Moment, in dem Du das Gebäude verläßt 
mit ihm einen Berg von Leichen, Deine 
ich sah meine auf den Schienen bei gestellten Weichen 
ein letztes Mal die Köpfe schüttelnd liegen 
und fuhr fort und drüber weg 
fuhr fort und drüber weg
 
fuhr fort und drüber weg
als unsichtbares Sexsymbol, 
das den Gedanken lauter werden läßt, 
wenn Dich im Dunkeln mit mir Dein Tastsinn verläßt 
wie man liebe macht 
hat uns nicht nur um den Beischlaf, 
sondern auch um den Verstand gebracht 
und zölibatäre Linguisten, Leer/Lehrkörper und Theisten 
haben sich hoffentlich totgelacht 
und nicht bloß wie sonst ins Fäustchen gemacht,
weil die wollen, daß wir werden sollen wie sie 

bleibt nur: weiter, weiter, weiter 
soziale Randgruppen auf dem Weg zu sich selbst 
die Geschichte ist alt und wird älter 
auf Tanzflächen, Tresen, Vinyl und Papier, Zelluloid und bei Dir 
heissen hier: Ü-Räume; sind Sicherheitszonen in der Realität 
ein Lebender, der nicht weiß, wie das geht, steht vor dem Haus 
steht zwischen den Gleisen und dem Garten, 
in dem die Apfelbäume warten

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