Aus Spex 06/2001
Text: Tobias Thomas


Blumfeld - Der Sinn des Kampfes

»You don´t have to be cool« (The Smiths)

»Die Ich-Empfindung: eine Maschine zur Herstellung des Gefühls vom Scheitern« (Michel Houellebecq)

»After the love has gone, how can we carry on« (Boy George)

»Glück ist planbar« (Hamburg-Mannheimer)

1. ICH

Es existiert wohl kaum eine andere Band, die mich auf ähnlich prägende leidenschaftliche und meine sozial-musikalische Existenz so durchdringende Art und Weise durch die letzten zehn Jahre meines Lebens begleitet hat wie Blumfeld. Nenn mich einen Fan, einen Fanatist, meinetwegen einen Liebenden. Mein Verhältnis zu Blumfeld sagt zu allererst ICH. Alle Erinnerungen erzählen vom ICH. Hier und da wird auch mal ein WIR daraus, denn ein Zeittotschläger, das war ICH mit DIR. ICH-Gefühle haben mich, die neunziger Jahre hindurch, erschüttert und getrieben. Und seit »ICH-Maschine« ist die Band Blumfeld damit untrennbar verbunden.

»Dieses Ich ist eine Redewendung..., (ein ) eigentlich unbedeutender Gegenstand, durch den die Handlung erst in Bewegung kommt. (Weil) das, was da als Ich behandelt wird, zwar Ich sagt, aber auch alles andere meint, als nur das Ich selber.« (aus: Blumfeld – Von der (Un)möglichkeit Musik zu machen, die man verantworten kann, in PNG #40, 1999)

All das, was sich um Ich, Du, Wir und Ihr, um Identität, Körper, Politik, Kommunikation, Beziehungen jeglicher Art und schließlich Sexualität dreht, zieht sich durch alle Blumfeld-Songs, Texte, Videos und Interviews, ultra-konsequent wie einer vorgezeichneten Linie folgend. Nimm zehn Gespräche mit Jochen Distelmeyer / Blumfeld der letzten zehn Jahre und du begegnest immerzu denselben Koordinaten. Auf die typische musik-journalistische Beobachtung »Da hat sich doch jetzt was geändert bei Euch im Vergleich zu...?« gab es, in immer neuen Formulierungen, stets die Entgegnung »Das haben wir doch schon immer so gemacht – oder es war zumindest so gedacht« zu hören. Denn die Band Blumfeld arbeitet an einem Gesamtwerk, einer Evolution, an einer Stringenz und einem Sich-treu-bleiben, immer zwar unter Berücksichtigung externer Umstände und Veränderungen, doch ohne flüchtige Zeitgeister sofort als zwingenden Anlass für bemühte Neuerfindungen zu verstehen. Stattdessen: Prozess und Technik buchstabieren. Und eben nicht Eintragung ins Nichts sein, sondern an der Sprache der Welt mitarbeiten.

2. Erwartungen

...sind oft der Anfang vom Ende. Erwartungen sind nicht zu verwechseln mit Anspruch. Nicht meine Erwartungen, mein Anspruch an bspw. Daft Punk sind enttäuscht worden. Das ist gemeinhin ein relativ nüchterner und untrauriger Vorgang. In der Liebe begleiten Erwartungen und die sich daraus ergebenden Projektionen meist den Weg über Missverständnisse hin zur Katastrophe (s.u.). Im Bezug auf Blumfeld, angesichts all der da Lebenden, vor allem gegenüber »ihrem Jochen«, zweier großer Werke (»Ich-Maschine« und »L’Etat Et Moi«) und einem unbestrittenen Meilenstein (»Old Nobody«) steht am Vorabend ihrer vierten LP »Testament der Angst« ein neuerliches Erwartungsmassaker zu befürchten. Das schöne Wort von der »Polarisierung«, das stets mit den Bewegungen von Blumfeld einherging, mag da zwar immer noch gelten, doch die Zahl derer, die jetzt schon in Internet, Plattenkritiken und Privatgesprächen ihre (vorläufige) Ablehnung formulieren, macht mir jedoch jetzt schon, ja genau, Angst.

Dabei war doch das alles schon mal da. Die unter Rezensenten und Fans grassierenden Irritierungen, als »Old Nobody« erschien, waren ja ähnlicher Natur und konnten erst durch die in der guten alten Konzert-Situation möglichen Rückführung und Einordnung in das von mir so genannte »Gesamtwerk« zerstreut werden. Dass nun, anstatt z.B. den Mut und die Aufrichtigkeit dieser neuen Blumfeld-Phase erst einmal anzuerkennen und wirken zu lassen, wieder über Klischees, »verbotene« Textzeilen, Romantik oder gar fehlende Innovation schwadroniert wird, ist so unangebracht wie kurzsichtig. Für Blumfeld aber wird es bedeuten: »Jetzt heißt es tapfer sein«.

Eine weniger fordernde Erwartung war angesichts des neuen Albums so allgegenwärtig und nachvollziehbar wie auch (von mir) gnadenlos naiv: Wie schlecht muss es einem Songtexter und einer Band wohl gehen, deren neue Single »Graue Wolken« heißt, an deren (B-)Seite zwei Non-Album-Tracks, die Trennung und Entliebung zum Thema haben und deren Cover-Ästhetik von schwarz- weiß über gold-bunt nach blau nun ins tiefschwarze getaucht ist?

Die Antwort war: »Gut. Gelassen. Ausgeglichen.«

Abgesehen davon, dass vor allem Jochen Distelmeyer immer wieder betont hat, dass ein wirkliches Durchschreiten dunkler Passagen nicht notwendige Voraussetzung für seine vor Schmerz gekrümmten Texte sei, ist ja das Traurige und Verzweifelte, auch nicht auf »Old Nobody«, jemals verstummt. Warum gerade diese Platte von glücklich verliebten Menschen so uneingeschränkt vereinnahmt wurde, - dieses Missverständnis konnte ich zwar in seiner Entstehung noch nachvollziehen, verstanden habe ich es so recht nie.

Blumfeld: Wir haben einmal mehr versucht darzustellen, was gerade ist, was es gibt an Gefühlslagen, Verdrossenheiten gegenüber dem, was sich um einen herum meint, als Wirklichkeit präsentieren zu dürfen. Sich gewissen Sachen zu stellen, wo man weiß, vielleicht ist das ein besserer Weg, um nicht zu verbittern, sich anzuschauen, wie sich das anfühlt und was die Gründe dafür sein könnten, als direkt zu sagen, nein, bin ich ja gar nicht. Weil das Gefühl von nicht-mehr-können und nicht-mehr-wollen auch Teil der Erfahrungen ist, die man macht beim unterwegs sein. Das kann ein längerer Zeitraum sein oder nur ein Moment. Auch um zu zeigen, hier, es ist nicht schwierig, wenn dir die Wirklichkeit nicht mehr gefällt und du denkst, dass keiner zu dir hält - kannst du einfach aufschreiben. Und du wirst wahrscheinlich auch irgendwann zu dem Punkt kommen, dass es ja der totale Wahnsinn ist, vor Allem Angst zu haben, aber du kommst auch zu dem Schluss, dass du Angst hast, deine Ängste UND deinen Mut zu verlieren. Es geht nicht darum, seine Ängste auszublenden, sondern sie nutzbar zu machen, um Sachen, mit denen man nicht einverstanden ist, fassen und sagen zu können: Deswegen habe ich Angst. Das kann Alleinesein genauso meinen, wie die Angst vor Leuten, die stolz sind, ein Deutscher zu sein. Und das, ohne dass jemand sagt, »sag mal, habt Ihr sie noch alle?«

3. NEIN!

In einem Gespräch mit dem Uni Radio Berlin-Brandenburg im April 1999 erzählt Jochen Distelmeyer über den Entstehungsmoment von »Old Nobody«: »Die aktuelle Platte kreist... darum, wie kann eine bestimmte Kritik oder ein Protest zur Sprache kommen? Welche extrem komplizierte Situation herrscht da eigentlich vor, wie man zu einem >Nein!< vordringen kann? Eine Überlegung, weshalb die Platte »Old Nobody« heißt... ist auch gewesen, dem Akt des Nein-Sagens einen Körper zu geben. Der No-Body, der Körper der Negation oder die Verkörperung, die gelingt, wenn >Nein!< gesagt wird.«

Wie folgerichtig und fließend »Testament der Angst« an den Vorgänger anknüpft und den Faden weiterspinnt, einen Aspekt/Affekt nicht aus den Augen verliert, sondern ihn eher noch festigt, mag folgende, aktuelle Äußerung belegen.

Blumfeld: Diese Platte sagt nicht länger - wie unsere Platten zuvor -, okay, ich bin auch Teil des Problems, wo also in jeder Form der Kritik und der Unterscheidung zwischen »denen« und »uns« auch das versöhnliche Angebot enthalten war, das gemeinsam zu ändern. Angesichts der Dynamisierung bestimmter politischer, gesellschaftlicher oder kultureller Entwicklungen soll auf dieser Platte die Kraft des Neins, der Ablehnung für sich so stehen und sagen: Ich hab’ keinen Bock, in eurer Logik zu leben. Ich spiel das Spiel nicht mehr mit. Und ich hoffe, dass da irgendwo andere sind, denen es ähnlich geht.

4. Eine Band singt ihre Lieder

Natürlich wird »Testament der Angst«, trotz aller konsequenten Beibehaltung von Grundmotiven, von niemandem so einfach als eine weitere tolle Blumfeld-Scheibe abgehakt werden können. Was ohnehin für beide Seiten ein Armutszeugnis wäre. Natürlich muss es hier nun doch um Veränderungen gehen, um einige soziale, musikalische und inhaltliche Wendungen beobachten und vielleicht erläutern zu können. So gilt zunächst festzustellen, dass die Zeiten der One-Man-Show, wenn nicht schon längst, dann jetzt für immer, vorbei sind (siehe Cover). Die BAND Blumfeld besteht aus vier Menschen, aus vier mal ICH und vielen DU. Sie ist ein aus einem klar definierten Bedürfnis, aus einem starken gemeinsamen Interesse heraus agierender Zusammenschluss. Wobei vor allem dieses Wort, »Zusammenschluss«, auch in einem politischen Sinn viele Aspekte der gegenwärtigen bandinternen Haltungen berührt.

Blumfeld: Es ging diesmal sehr stark darum, zu sagen, okay, das ist hier keine Musik als Genre sprengende Versuchsanordnung, sondern es ist die Platte von einer Band. Da gibt es einen Sänger, der macht Texte und vier Typen spielen ihre Songs. Mit Musik, die eigentlich ein bisschen aus der Zeit herausfällt, aber sich direkt im Zentrum des Geschehens positioniert, sich zur Disposition stellt und versucht einzugreifen. Das ist noch mehr auf den Punkt gebracht. Auch weil es viel eindeutiger angelegt ist, ohne Sprechtext, von Stück zu Stück einfacher nachzuvollziehen, mit noch mehr Stringenz. So eine Platte hatten wir so noch nicht gemacht, allenfalls die noch sehr ungestüme »Ich-Maschine«. An dieses Gefühl, geil, wir sind eine Band und machen diese Songs – daran soll die neue Platte anschließen.

Musik, die eigentlich ein wenig aus der Zeit herausfällt. Die kein Genre sprengen will. Genau das also, was »Old Nobody« zum großen Pop-Entwurf, zum Meisterwerk gemacht hat, tritt auf »Testament der Angst« in den Hintergrund oder zumindest zur Seite. Kein »Pump Up The Volume«, keine Kölner Snareloops oder technoiden Keyboard-Chords. Da es offensichtlich darum ging, eine Platte zu machen, die von dieser Band »so noch nicht gemacht« wurde, erscheint mir diese Entscheidung aber nicht als Rückschritt (auch wenn man das so sehen kann), sondern als eine Verlagerung / Verschiebung von Prioritäten, wie sie jedem Künstler, nimm zum Beispiel Schriftsteller, offensteht. Nicht jedes Buch, jede Platte, jedes Bild muss ALLES sagen – auch eine Band erzählt in der Aneinanderreihung von Unvollständigem, veröffentlicht Zwischenergebnisse und stellt unterschiedlichst gewichtete Phasen zur Disposition.

Dem wundersamen, einen Frühling zwischen George W. Bush und Bodenfrost auf den Punkt bringenden »Graue Wolken«, erste Single und Eröffnung des Albums, kommt dabei eine besondere Bedeutung zu. Vorschnell als ganz netter, den Harmonien von »Status Quo Vadis« folgender Popsong eingeordnet, wirkte das Lied wie eine Streckung des »Old Nobody«-Schemas, gemeinsam mit dem elektronisch-orientierten »Nowhere bei mir« schien so gesehen alles beim Alten.

Blumfeld: Die Songs waren nicht bewusst als Verlängerung dieser Phase angelegt, sie waren schon lange vorher da. »Weil es Liebe ist« und auch »Ein privates Problem« waren schon zur letzten Platte fertig und sollten da mit drauf. Nur aus Gründen der Balance, hier ein ruhiger Song, da ein Liebeslied zuviel, sind sie nicht mit draufgekommen. Aber besonders letzteres Stück gehörte ganz klar noch zu diesem Bereich von »Lovesongs«, um den es da ging. Aber auch darum, wie es sich anfühlt, wenn es nicht funktioniert, wenn man sich trennt. Die ganze Single hat jetzt eine Mittlerfunktion, die die Kontinuität weiterführt. Eben nicht »jetzt lass uns mal Rock machen«, weil das haben wir eh immer gemacht und solche Move-Spielchen kann man anderen überlassen. Es ging uns darum, dass wir als Band diese Dinge so weitermachen können. Auch weil »Graue Wolken« den thematischen Kernbereich der Platte schon anspricht und formuliert.

5. Testament der Angst

Der thematische Kernbereich. »Testament der Angst«, was für ein Titel. Angst? Ein bekanntes Bild in Distelmeyers Texten (»die Angst, die du fühlst, ist das Geld, das dir fehlt«). Hier, wie schon gesagt, auf die Spitze getrieben, als Angst vor ALLEM, generelle Verunsicherung, Lähmung, aber auch Antrieb gebend, Wut erzeugend. Testament? Herannahen von Tod, die Spuren von Alter? Das Info zur Platte deutet ganz abstrakt: »Abschied« (s.u.). Testament heißt aber auch Vermächtnis (um in Erinnerung zu bleiben) und Niederschrift, Darlegung eines Willens, von etwas Zeugnis ablegen.

Diese Blumfeld-Platte will aufschreiben, wie sich die Wirklichkeit - jetzt gerade – genaugenommen und ehrlich gesagt anfühlt, sie bekräftigt eine politische Haltung, sie bekundet Solidarität, sie wertschätzt Schulterschlüsse, sie bekennt sich zu Schwäche (»ich weiß nicht, warum ich lebe«) und Hilflosigkeit (»und frage mich, was kann ich tun?«). Und sie handelt nicht nur vornehmlich von dem allgegenwärtigen Gefühl von Angst, sie vermag auch beim Hörer etwas ähnliches zu erzeugen. Und schaut nach draußen auf den Tag.

Blumfeld: Das korrespondiert ja auch ein wenig mit der Idee des Covers. Diese schwarze Silhouette. In welchem Verhältnis steht der da zur Welt, die da zum ersten Mal sichtbar ist auf einem Blumfeld-Cover? Abwartend, gelassen, distanziert? Oder eher: Wenn ich erstmal das Fenster aufgemacht habe, »Ich sehe schwarz und mal es an die Wände«. Da steckt auch ein Bedrohungspotenzial drin. Und Rache, wie das in »Eintragung ins Nichts« thematisiert wird. Ich habe darüber nachgedacht, was ist Rache? Rache ist der Versuch, ein aus den Fugen geratenes Verhältnis zur Gerechtigkeit, diese Balance, durch einen ungerechten Akt wiederherzustellen.

Obwohl das Album neben »Graue Wolken« mit »Weil es Liebe ist«, »Eintragung ins Nichts« und »Wellen der Liebe« zumindest musikalisch weiterhin sehr pop-harmonisch agiert, atmen Titelstück sowie »Anders als glücklich« und »Diktatur der Angepaßten« tatsächlich einmal mehr den »Geist« des Punkrock (zumindest auf eine Blumfeld-Art) und gehen damit ganz selbstverständlich und ziemlich schlüssig zu einem sehr frühen Bild zurück, ohne dabei nur im geringsten lächerlich zu wirken.

Blumfeld: Da schließt sich ein Kreis, der in der Jugend begann. Mit diesem Punkrock-Gefühl der Verweigerung zu sagen, »Ihr macht Scheiße« und ich will da nicht mitmachen. Man positioniert sich dagegen und definiert sich damit. Was einerseits, weil ja jegliche Erfahrung fehlt, total unreif ist, aber als Gefühl ist das erstmal richtig so. Danach geht man durch Entwicklungen, wie sie ja auch auf den letzten Platten bei uns stattgefunden haben, es wird komplizierter, man wird Teil des Systems, macht Kompromisse. Und jetzt plötzlich, in einem gewissen »Alter« stellt man fest, dass man dieses Gefühl und diese Haltung wieder einnehmen muss. Und weiß jetzt auch ganz genau warum.

»Ich lauf herum als böses Omen / das muss das Alter sein / Ich will den Aufstand proben / Ich hab Angst davor wie’s weitergeht / und vorm Alleinesein«

6. Still III

Bei aller tiefen Traurigkeit hatte »Old Nobody« dem musikalischen und ästhetischen System Pop doch noch ein klares JA entgegengeschleudert. Durch neue Formen geschritten, in neuen Klängen schwebend, ergab sich Musik für eine andere Wirklichkeit. Die Hoffnung und Möglichkeit, »dass es sich ändern kann« durchdrang selbst die dunkelsten Momente. Selbst die Liebe war zumindest »möglich«. Die zwischen entrückten Pop-Perlen verankerten Kritikansätze an »freiem Markt« und Kapitalismus erstarben fast unter der Leuchtkraft einer großen Utopie: So könnte es gehen. Und exakt von diesem Glauben ist auf »Testament der Angst« nicht mehr viel übrig. »Soll ich der Hoffnung neuen Glauben schenken? / Hat sie mich nicht so oft verrückt gemacht?«, singt Jochen im tonnenschweren, Erlkönig-artig bedrückenden Lied »Der Wind«. Und:

»Ich kam die falschen Götter zu entthronen / ich kam und sah mich gegen sie verlieren.«

Blumfeld: Wenn »Testament« einen Abschied oder Verlust meint, dann den Abschied von einer Art Popmusik oder Rock’n’Roll, die sich noch nicht mit allem Bestehenden einverstanden erklärt hat. Denn selbst die Sachen, die momentan so tun, als ging es da um Protest oder eine Anti-Haltung, empfinden wir häufig schon wieder als restaurative Elemente.

Gilt das auch für z.B. Jan Delay?

Blumfeld: Der geht anders. Da steckt ernste Absicht und Bedürfnis dahinter. Seine Platte funktioniert natürlich anders als unsere, ohne zu behaupten, wir würden weiter gehen, aber wir gehen da in eine andere Richtung und kommen von woanders her. Aber ich kann seine Position sehr gut nachvollziehen. Was ich daran wertvoll finde ist, das nun Leute, die nicht mit »Deutschland verrecke« und »Bullenschweine« aufgewachsen sind, sondern mit »Jetzt wächst zusammen...«, Wiedervereinigung, 16 Jahre Kohl und zwei Jahren Schröder etc., plötzlich ein Gespür vermittelt bekommen, dass Dagegensein auch Zusammenschluss heißen kann. Dass es noch etwas anders gibt. Über gewisse andere Aspekte auf seiner Platte müsste man aber eher ein Roundtable-Gespräch führen.

Ein Rückzug von den großen Gesten und glamourösen Referenzen dessen, was wir als Pop kannten, verdeutlicht sich für mich auch in der Schlichtheit des Videos zu »Graue Wolken«, im Kontrast zur damaligen Begegnung von zwei Menschen, mit dem große Helmut Berger, obschon dessen Tragik und Gebrochenheit ja die Zweischneidigkeit des Pop(startums) und von »Old Nobody« sehr deutlich visualisierte.

Blumfeld: Der erste Gedanke zu dem Video war, okay, das ist zwar sehr erwachsene Musik, die sich da entfaltet, aber das thematisierte Gefühl ist, wie schon erwähnt, ein total jugendliches Gefühl. So fühlt es sich eben an, wenn man sich, bar jeder Erfahrung, mit 17 schon so fühlt wie mit 65 oder 70. Trotz der freundlichen Atmosphäre da in der Familie, ist es die Hölle, und irgendetwas stimmt da nicht.

»Anders als glücklich / ich melde Zweifel an / irgendwas stimmt nicht / und das, solang ich denken kann.«

Blumfeld: Trotzdem habe ich immer gesagt, dass mein Bild von Blumfeld dem einer Popband entspricht, wie »The Smiths« eine Popband waren. Ich habe immer wieder versucht, das klar zu machen, auch die Frage »Was ist >independent<?«, als Verpflichtung, nicht nur als Geste, mit der man sich gemütlich zu Hause einrichtet und stillhält. Mir ist aber auch seit längerer Zeit »Popmusik« egal. Diese Platte macht klar, dass man sie nicht mehr über irgendwelche Genres rezipieren kann. Es ist einfach eine Blumfeld-Platte.

Und diese Blumfeld-Platte musste raus, so schnell wie möglich. Denn Musik, die eingreifen will, kann nicht warten. Ein »Testament der Angst« ist eben nicht »Andromeda Heights« (von Prefab Sprout).

7. Ich war dabei mir eine Art von Verschwinden...

die den Text bezwingt, zu erfinden. Wenn sich »Testament der Angst« also auf musikalischer Ebene etwas zurücknimmt, auf Verzierungen und trickreiche Produktion verzichtet, sich also - für mich ganz bewusst - auch aus dem Popmusik-typischen Wettlauf um höher, schneller, weiter raushält, so gilt dies beinahe noch mehr für die Textebene. Distelmeyers berühmt-berüchtigte »Referenzhölle« und Sampleorgien, die gewiss einige Germanistik-Magisterarbeiten beschäftigt haben und auf Blumfeld-Fanpages im Netz bis ins kleinste auseinandergenommen und mit detektivischem Eifer bis an ihren Ursprungsort zurückverfolgt werden, gehören - in dieser Intensität - der Vergangenheit an.

Waren die frühen Texte den meisten Zeitgenossen doch ein wenig zu kodiert und intellektuell, darf heute auf einmal jeder ungestraft von Klischees, Peinlichkeit und Phrasen sprechen.

Jochen Distelmeyer hat schon zu »Old Nobody« darauf hingewiesen, dass es nicht darum gehen kann, Dinge noch einmal so auszusprechen, wie er es bereits getan hat; ihm bliebe stattdessen nur, bereits getätigte Aussagen zu ergänzen. Klar, Rainald Goetz’ »Rave« hat ja auch nicht den gleichen Tonfall und Sprachgestus wie »Kontrolliert«. Abgesehen davon, sollte man sich angesichts der weiter vorangeschrittenen Vereinfachung der Blumfeld-Texte nicht über deren Inhalt täuschen. Was da nach wie vor im Subtext jeder Zeile brodelt, wie schwer ein leichtes Wort doch wiegen kann, - das nicht zu übersehen, bleibt eine Herausforderung für Hörer und Betrachter.

Blumfeld: Darauf sollte das eigentlich schon bei der letzten Platte hinauslaufen. Die komplexeren Formen auf »L’Etat Et Moi« und »Ich-Maschine« finde ich nach wie vor toll, und könnte mir auch vorstellen, das noch mal irgendwann fortzusetzen. Aber so eine Vereinfachung, mit wenig Worten und ohne viel Schnickschnack Dinge klar zu benennen, das gab es so noch nicht. Wobei »Anders als glücklich« oder »Der Wind« nach wie vor dem Space von »L’Etat Et Moi« zuzurechnen sind. Diese Platte lässt dich scheinbar erstmal alleine und sagt, sieh zu, wie du damit fertig wirst. Aber es ist so gemeint wie in »Anders als glücklich«: »Vielleicht hilft es Dir«. Heilen, retten oder trösten tut sie nicht. Es ist eine Frage der Zusammenarbeit zwischen denen, die das hören und denen, die die Musik gemacht haben.

8. Ein herrliches Leiden

Warum die Beschreibung der Liebe, der Beziehung zwischen (zwei?) Menschen bei Blumfeld seit Anbeginn eine gleichgewichtete Rolle wie etwa Politik etc. gespielt hat, ist hinreichend erörtert worden. Dass eben »der Impuls ein Liebeslied zu schreiben, dem Impuls einen >politischen Song< zu schreiben, nicht unähnlich ist«. Weswegen (vgl. Review von »Old Nobody« in SPEX 01/99) für Blumfeld nie ein Unterschied zwischen Protest- und Lovesong existierte. »Testament der Angst« zieht nun eine, wenn auch hauchdünne Trennlinie zwischen diese »Impulse«, auch weil »die Zweisamkeit als Zuflucht zu verstehen, gefährlich ist, weil es einen eben genau wieder davon entbindet, aus dem, was als bedrückend wahrgenommen wird, andere Konsequenzen zu ziehen, als den Rückzug ins Privatleben. Das Verhältnis zwischen dem Ich und Du ist keine Systemalternative.« Die Liebeslieder auf »Testament der Angst« laufen nicht so sehr Gefahr, den Protestgedanken zu »unterlaufen«, sie stehen eher als »reinere Themen, die versuchen, (die Leibe) präzise zu beschreiben. Aber dass wir das so machen können, das zu trennen, können wir nur, weil wir es auf EINER Platte tun und es so anders wieder zusammenfügen. Ein Stück wie »Weil es Liebe ist«, auch weil es an zweiter Stelle steht, macht klar, die Position ist nicht, sich auszukotzen über alles, so >save the planet, kill yourself-mäßig<, sondern alles, was sich dann auch in den nächsten Stücken entwickelt, geschieht immer vor dem Hintergrund: es könnte doch alles so geil sein, hier, auf dem blauen Planeten.«

»Liebe ist eine Technik und ein System«, heißt es in »Weil es Liebe ist«. Mir persönlich stellt sich immer öfter die Frage, ob das überhaupt noch ein System ist (oder jemals war), in dem Menschen tatsächlich leben können? Könnte die Liebe, als Lebensmodell von ausschließlich zwei Menschen, nicht auch mal wieder eine Systemkritik vertragen?

Blumfeld: Nach unserem Empfinden wird auf dieser Platte Zweisamkeit nicht als das einzige Modell, wie man Liebesbeziehugen führen kann, dargestellt. Warum hat man Angst vor dem Zusammensein? Angst in jeder Beziehung? Wegen der sich immer irgendwann einstellenden Enttäuschung, angesichts der Projektionen, die man vorher die ganze Zeit aneinander gefahren hat. Dass die Liebe irgendwann weggeht, liegt eben auch am System, am System der Liebe, an »den Bildern, mit denen wir uns ansehen«, an den Erwartungen. Die Erwartung, dass sich alles, was ich an Problemen, Stress und Ängsten habe, nun auflöst, nur weil ich mit dir zusammen bin. Nein, das findet gar nicht statt, man ist immer noch dasselbe Häufchen Elend. Es wird sogar noch schlimmer, weil man dachte, das hätte doch jetzt die Lösung sein sollen. Wie Dylan das gesungen hat; »I was alright, before I fell in love with you«. Gerade »Weil es Liebe ist«, passiert dann »Anders als glücklich«.

9. Abendlied

Wie spielt man »Diktatur der Angepaßten« bei Rock am Ring, nach meinem Empfinden doch die Jahreshauptversammlung der Angepaßten?

Blumfeld: Ja, da spielt man es eben auch. Ich meine, die Jahreshauptversammlung der Angepaßten ... ist um uns herum ... wenn ich morgens zum Bäcker gehe, sehe ich da auch ’nen Delegierten. Und man selbst ist ja unter Umständen auch ein Abgeordneter. Und wie hat John Lennon gesagt? In welchen Briefkasten ich meine Nachrichten schmeiße, damit sie ankommen, ist mir egal. Da ist ja genau der Ort für »Ihr habt alles falschgemacht«. Da freu ich mich schon drauf. Und auf der Love Parade müsste man das Stück natürlich genauso spielen.

»Testament der Angst« von Blumfeld ist am 21. Mai bei ZickZack/EastWest erschienen.


 

SPEX 07-08 / 2001

Zum obigen Artikel erschien in SPEX 07-08/2001 folgender Leserbrief:

Wissen sie was sie tun ?
Quo vadis Blumfeld?

Dass die SPEX auch zum neuen Blumfeld-Album dieser Band einen besonderen Rahmen einräumt, ist nicht zu kritisieren - mag man zu »Testament der Angst« stehen, wie man will. Diese Band ist immer noch wichtig – nicht nur im Zusammenhang der SPEX! Und der Balanceakt des »Fan«, des »Fanatist« und »Liebenden« Tobias Thomas ist auch alles andere als misslungen. Gerade den Hinweis auf den »Anspruch« und eben nicht die »Erwartungen« an Blumfeld im Umgang mit dieser neuen Platte halte auch ich für wichtig. Doch genau hier setzt meine Kritik an, die vor allem auch als Ergänzung zu der SPEX-Titelgeschichte verstanden werden soll, da Tobias sich auf eine ästhetische Diskussion konzentriert, aber andere Aspekte (leider) außer Acht lässt. Denn erwähnter »Anspruch« ist immer vor dem Hintergrund der Geschichte von Blumfeld zu sehen und vor allem, wofür diese Band stand und wohl auch immer noch steht. Es sind die eigenen Ansprüche, an denen sich Blumfeld auch heute noch messen lassen müssen. Kann eine Band, die sich so explizit politisch begreift, die vor Jahren aktiv bei den Wohlfahrtsausschüssen mitarbeitete, jetzt schnell mal die Charts erobern? Muss das nicht die Substanz von Blumfeld berühren? Kann das spurlos an der Musik und den Texten vorübergehen? Und wenn Blumfeld Erfolg als neues Ziel ausgemacht haben, muss dann nicht jede (auch ästhetische) Veränderung unter diesem Gesichtspunkt hinterfragt werden?

Wenn das Produkt-Info in ebenso verschwurbelter wie eigentlich direkter Art Blumfelds »Verwandlung vom Undergroundact zur szeneübergreifenden Popband« beschwört, soll der Boden bereitet werden für den großen Durchbruch – und damit dieser anzustrebende Durchbruch auch gleichzeitig gerechtfertigt werden. Auf in die Charts, auf zu Top of the Pops und auf in die heavy rotation bei Radio und MTV / VIVA - man wurde ja schließlich schon länger von allen gehört und geliebt. Die Zusammenarbeit mit dem Major Eastwest / WEA wird von Seiten Blumfelds und von Alfred Hilsberg / ZickZack in diversen Statements als strategische Allianz unter Gleichberechtigten dargestellt und mit der nun zu erzielenden Reichweite gerechtfertigt. »Blumfeld sind weiterhin völlig unabhängig, aber sie kommen ohne diesen Deal einfach nicht weiter«, heißt es da sinngemäß. Man nutze eben nur die Ressourcen der Großen, mehr nicht. Der Schwanz wedelt also mit dem Hund! Seltsam, dass Blumfeld, in diesem Fall wohl Jochen selbst, in dem SPEX-Artikel darauf sogar eingehen, ohne direkt danach gefragt worden zu sein, in dem sie (in Bezug auf den Rock am Ring-Auftritt) John Lennon zitieren und darauf verweisen, dass es ihnen egal sei, in welchen Briefkasten sie ihre Botschaften werfen, »damit sie ankommen« – und sich damit, wie ich finde, selbst entlarven. Der Zweck heiligt also alle Mittel! Ketzerisch könnte man sagen, dann können Blumfeld auch gleich auf dem Bundesparteitag der CDU spielen! Wenn man dann aber auch noch weiß, dass Public Propaganda die verantwortliche Agentur für die Radio-Promotion der ersten Single-Auskopplung »Graue Wolken« ist, dann bekommt man wirklich Bauchschmerzen. Ein wenig Branchenkenntnis beschert einem nämlich das Wissen (in diesem Zusammenhang entschuldige ich mein Insiderwissen!), dass diese Hamburger Firma nicht gerade als (sagen wir es strafrechtlich unverfänglich, meint; ohne den Tatbestand der »üblen Nachrede« zu erfüllen!) unproblematisch in ihrer Promotion-Tätigkeit gilt und es werden schon (harmlos ausgedrückt!) bizarre Telefonate mit Radio-Redakteuren kolportiert, die sich weigerten, das Stück in die Tagesrotation aufzunehmen. Wenn da Alfred Hilsberg und Jochen Distelmeyer unter diesem Gesichtspunkt mal nicht zum Zauberlehrling werden! Denn die Geister, die man (zur Promotion) rief, muss man sich immer auch zurechnen lassen - schließlich entscheidet man ja mit (s.o.). Und geht das alles mit dem »Anspruch« zusammen, den Blumfeld immer an sich hatten. Ist das noch konsistent, steht hier nicht die »Glaubwürdigkeit« einer Band auf dem Spiel, die auch damit nicht gerettet werden kann, dass Blumfeld bestimmten »unkorrekten« Medien keine Interviews geben. Steckt diese Band mit dem Streben nach Erfolg nicht schon viel zu tief in Mechanismen, in Verwertungszusammenhängen, gegen die man immer stand. Wird sie damit nicht zum Feigenblatt für eine Popindustrie, die sich Blumfeld als Quasi-Argument für eine angebliche Offenheit und Toleranz an die Brust heften kann. »Seht her, wir fördern diese Hamburger Band mit den subversiven Texten,« kann da so mancher Shareholder value-Diener werbewirksam herausposaunen. Wer benutzt hier wen? Und wer ist da der nützliche Idiot? (Wie heißt es in »Der Wind« so passend: »Ich kam die falschen Götter zu entthronen, ich kam und sah mich gegen sie verlieren.«) Diese Fragen wirft die neue Blumfeld in jedem Fall ebenso auf, wie die nach der ästhetischen Entwicklung, die sicher auch wichtig ist und die in dem Artikel hinreichend geführt wurde. Aber das ist eben nur ein Aspekt! Zum Schluss ein direktes Wort der Kritik: Ob Blumfeld nun mehr »Band« sind als zuvor, sei dahingestellt, doch reicht es wohl nicht, dass die Statements in diesem Text immer gleichbleibend mit »Blumfeld« überschrieben sind und damit den Bandcharakter festzuschreiben scheinen - für den Leser aber keinem der vier Mitglieder zuzuordnen sind und damit unscharf bleiben müssen. Misstrauisch macht in diesem Zusammenhang nämlich die Diktion, welche stark an Jochen Distelmeyer erinnert und den Eindruck entstehen lässt, dass hier doch wieder nur er geantwortet hat. Aber das kann ich nur vermuten, denn das weiß nur Tobias, der das Interview geführt hat! Ich bitte um Er- und Aufklärung!

Jan Ole Jöhnk, Berlin


Lieber Jan Ole Jöhnk,

herzlichen Dank für deine ergänzende, sicherlich nicht unangebrachte Kritik. Die Fragen, die Du bezüglich dem angeblichen Erfolgsstreben, dem »großen Durchbruch« und den damit einhergehenden Verstrickungen in Verwertungs-, Promotion- und mediale Zusammenhänge der Band Blumfeld aufwirfst, müssten aber wohl bestenfalls direkt von den »Zauberlehrlingen« Hilsberg und Distelmeyer beantwortet werden. Wie Du jedoch selbst erwähnst, haben Stellungnahmen dazu bereits stattgefunden, desweiteren würde eine hier verortete Beantwortung Deines Briefes durch eben jene uns wohl endgültig zum Handlanger, Sprachrohr und Parteiorgan machen, was wir definitiv nicht sind, noch sein wollen.

Nun kommt hinzu, dass der inhaltliche Schwerpunkt der Blumfeld-Titelgeschichte tatsächlich ein anderer war, - wie Du es formulierst, ging es hauptsächlich um Ästhetik - hm, ja und nein - und obwohl ich Deine Einwände verstehe, wäre ich, auch als Nicht-Liebender - nicht im Traum auf die Idee gekommen, Blumfeld unter diesen Gesichtspunkten zu verhandeln.

Ich denke, dass »Testament der Angst« die »Guten wie die Bösen« anspricht und beiden moralischen Lagern ein Scheitern prophezeit. Also auch diejenigen kritisiert, die glauben, die besseren Briefkästen zu kennen. Ferner bin ich überzeugt, dass Blumfeld durchaus »wissen was sie tun« und vor vielleicht unvermeidbaren Widersprüchen und Fallen keineswegs die Augen verschlie8en. Wir kennen zudem andere, politisch gleichsam integre Musiker, die in der Vergangenheit trotz »strategischer Kooperationen« weder von EastWest, noch von Public Propaganda, nicht von Motor, EMI oder sonstwem von ihrem Weg abgekommen sind. Wie genau die falschen Götter denn nun zu entthronen sind, darauf bleiben dennoch alle, die sich jemals in alternativer, oppositioneller oder subkultureller Popmusik versucht haben, eine endgültige Antwort schuldig.

Das Interview wurde mit allen vier Blumfeld-Mitgliedern geführt. Es gibt darin mehrere Passagen, in denen eben nicht Jochen Distelmeyer spricht. Alle Aussagen wurden für mein Empfinden als Band getätigt, die seit langer Zeit einen bandinternen Diskurs führt und somit einer für alle sprechen kann, ohne mit seinem Taufnamen dafür bürgen zu müssen. Ich denke nicht, dass durch die Zusammenfassung unter »Blumfeld:« Unschärfe entsteht, sondern nachdrücklich auf die gemeinsame Haltung dieser vier Menschen hingewiesen wurde. Ob man dieser Haltung nach wie vor traut oder sich ihrer gar anschließt, muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Mein Instinkt jedoch sagt mir, dass es ist nicht so falsch sein kann, nach wie vor beides zu tun.

Tobias Thomas, SPEX